Was Eltern sonst noch tun können

Elternmitarbeit ist mehr als Gremienarbeit. Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte, die „gemeinsame Sache machen", haben ein besseres Verhältnis zueinander und zur Schule. Dieses Kapitel sammelt Möglichkeiten, die sich in der Praxis bewährt haben. Sie erreichen oft auch Eltern, die zu Elternabenden nicht kommen können oder wollen.
Am Unterricht teilnehmen
Um einen Einblick in den Unterricht zu bekommen, können Eltern nach Absprache hospitieren. Das eröffnet neue Perspektiven und baut eigene Vorbehalte gegenüber Schule ab. Manche Schulen haben feste Besuchstage; sonst wird der Termin direkt mit der Fachlehrkraft abgesprochen. Wer hospitiert, beobachtet und greift nicht ein. Was einzelne Kinder betrifft, bleibt vertraulich.
In der Schule mitarbeiten
Es gibt viele Wege, sich mit den eigenen Fähigkeiten einzubringen:
- über den eigenen Beruf und die Arbeitswelt berichten, zum Beispiel in Projektwochen oder in der Berufsorientierung,
- Lesepatenschaften, Unterstützung in der Schulbibliothek, in Arbeitsgemeinschaften oder im Ganztag,
- Beiträge für Schulzeitung, Webseite oder Newsletter der Schule oder des Schulelternrates,
- handwerkliche und gestalterische Hilfe bei Schulhof, Schulgarten, Klassenräumen,
- Begleitung bei Ausflügen, Klassenfahrten, Sportfesten und Schwimmunterricht,
- Unterstützung bei Schulfesten, Basaren, Cafeteria und Mensa.
Angebote zur Mitarbeit richten sich an den Schulelternrat, den Förderverein, die jeweilige Lehrkraft oder die Schulleitung. Wer im Auftrag der Schule mitarbeitet (etwa als Begleitperson auf einem Ausflug), steht in der Regel unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das sollte vorher mit der Schulleitung geklärt werden, ebenso die Frage der Aufsicht und, bei regelmäßiger Mitarbeit mit Kindern, ein erweitertes Führungszeugnis.
Der Förderverein
An den meisten Schulen gibt es einen Förderverein. Er finanziert, was der Schulträger nicht bezahlt: Spielgeräte, Bücher, Musikinstrumente, Zuschüsse zu Klassenfahrten für Familien mit geringem Einkommen, Projekte. Der Förderverein ist rechtlich vom Schulelternrat getrennt, die Zusammenarbeit ist aber eng. Bewährt hat sich, dass eine Vertretung des Fördervereins beratend an Sitzungen des Schulelternrates teilnimmt und dass der Förderverein sich regelmäßig auf Elternabenden vorstellt. Der Förderverein kann auch als beratendes Mitglied in den Schulvorstand berufen werden.
Elternstammtisch
In vielen Klassen gibt es einen Stammtisch. Er trifft sich regelmäßig an einem gemütlichen Ort, wird rechtzeitig angekündigt, und auch Lehrkräfte können eingeladen werden. Selbst wenn nicht alle Eltern kommen, entstehen in kleiner Runde gute Gespräche. Ohne Tagesordnung lassen sich Erfahrungen austauschen und Sorgen ansprechen. Zu vermeiden ist, dass sich ein fester Kreis bildet, der die Elternarbeit der Klasse so dominiert, dass andere sich ausgeschlossen fühlen. Wichtige Entscheidungen gehören auf den Elternabend, nicht an den Stammtisch.
Bastel- und Spielnachmittage
Eltern, Kinder und gern auch Lehrkräfte treffen sich zum Beispiel in der Vorweihnachtszeit in der Schule und basteln gemeinsam die Dekoration für die Klassenfeier. Einige Eltern überlegen vorher Ideen und besorgen das Material, andere backen mit den Kindern. Ein Spielnachmittag funktioniert ähnlich: Ort und Zeit verabreden, Lieblingsspiele mitbringen, Getränke organisieren. Solche Nachmittage sind niedrigschwellig und bringen auch zurückhaltende Familien in Kontakt.
Gemeinsame Aktionen planen
Feste, Ausflüge, Flohmärkte oder Aktionstage von Eltern, Schüler:innen und Lehrkräften verbessern das Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule. Sie bieten die beste Gelegenheit, in gelockerter Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen. Oft fehlt nur der Anstoß. Schritte:
- Anlass und Motto festlegen: Sommerfest, Herbstwanderung, Weihnachtsfeier, Faschingsfest, Klassenausflug, Lesenacht, Sponsorenlauf.
- Ort und Zeit klären: Klassenraum, Aula, Schulhof, Gemeindehaus, Park; Absprache mit Schulleitung und Hausmeisterei.
- Mitwirkende gewinnen: Eltern und Lehrkräfte für Aufgaben wie Aufbau, Musik, Verpflegung, Spiele, Tombola, Aufräumen ansprechen. Konkrete Aufgaben mit klarem Umfang finden eher Freiwillige als allgemeine Aufrufe.
- Arbeitsgruppe bilden: Ein kleines Team ist Anlaufstelle für alle Beteiligten und behält Budget und Termine im Blick.
- Rahmen klären: Kosten und Finanzierung, Versicherung, Aufsicht, Hygiene, Datenschutz bei Fotos, Barrierefreiheit, Getränke- und Speisenangebot, das alle einschließt.
- Werbung: Einladung über den Verteiler, Aushang, Beitrag in der Schulzeitung.
Ein Ausflug oder ein Picknick macht viel Freude und erfordert weniger Arbeit als ein Fest. Der Elternabend ist der richtige Ort, das Interesse zu klären; dort sollten konkrete Vorschläge gemacht werden: wie, wohin, wann, mit wem.
Praxisbeispiele aus der Elternarbeit
Die folgenden Beispiele stammen aus der langjährigen Elternarbeit von Hans Schwab an Schulen in Laatzen und Hannover. Sie sind als Anregung gedacht und lassen sich an die eigene Schule anpassen.
Informationsabend für Eltern der Schulanfänger:innen
Etwa zwei Monate vor der Einschulung lädt die Schule die Eltern der künftigen Erstklässler:innen ein. Neben den Erläuterungen der Schulleitung sollte eine Elternvertreterin oder ein Elternvertreter Gelegenheit haben, über die Bedeutung der Elternmitarbeit zu berichten und dafür zu werben.
Informationsabend vor und nach den Wahlen
Der erste Elternabend der neuen Klassen beginnt mit Wahlen, oft ohne dass die Eltern wissen, was das Amt bedeutet. Der Schulelternrat kann vor den Wahlen alle Eltern gemeinsam informieren: über die Organisation der Elternvertretung, die Aufgabe des Vorsitzes und den Ablauf der Wahl. Nach den Wahlen lädt der Schulelternrat die neu gewählten Vorsitzenden und Stellvertretungen zu einem Informationsabend ein: Tipps zur Gestaltung von Elternabenden, zur Zusammenarbeit mit Lehrkräften und zu gemeinsamen Aktivitäten erleichtern den „Neuen" den Start.
Patenschaften
Erfahrene Elternvertreter:innen (etwa der Klasse 3a) übernehmen eine Patenschaft für die neuen Elternvertreter:innen (der Klasse 1a). Sie informieren, unterstützen und beantworten Fragen. Daraus entstehen klassenübergreifende Kooperationen, die dem ganzen Schulleben guttun.
Eltern-Curriculum
Eine Schule kann für die Elternabende einen Themenplan über die Jahrgänge entwickeln, ein „Eltern-Curriculum". Er legt fest, welche Themen in welchem Jahrgang mindestens behandelt werden: zum Beispiel in Jahrgang 5 die Vorstellung der Schule, Leistungsbewertung und Hausaufgaben; in Jahrgang 7 Wahlpflichtangebote und Medienerziehung; in Jahrgang 8 und 9 Betriebspraktikum und Berufsorientierung; in Jahrgang 10 der Übergang in Ausbildung oder Oberstufe. Dazu kommen allgemeine Erziehungsfragen und Themen der Elternvertretung. So wissen alle Beteiligten, was sie erwartet, und nichts geht unter.
Schule als Mittelpunkt
Ein Schulelternrat einer Grundschule hat ein Rahmenkonzept zur Verbesserung des Schullebens erarbeitet: regelmäßige kulturelle Angebote für Kinder und Eltern (Theater, Musik, offenes Singen), themenorientierte Aktionstage (Umwelttag, Lesetag), Aktionen zur Verschönerung des Schulgeländes (Hochbeete, Schulhofgestaltung), Sport- und Spielfeste sowie Eltern-Gesprächskreise und Beratungsangebote. Manche Aktivitäten entstehen aus dem Unterricht, andere werden von Eltern organisiert. Aus der Verzahnung der Angebote soll die Schule ein Ort werden, an dem sich alle gern aufhalten.
Arbeitsteilung im Vorstand des Schulelternrates
An einer großen Gesamtschule hat sich der Vorstand des Schulelternrates aus sechs gleichberechtigten Personen mit festen Zuständigkeiten organisiert: Schulelternrat (Einladung, Protokoll, Termine), Konferenzen (Koordination der Fachkonferenzvertretungen), Vorstand und Kontakte zum Schulträger, Förderverein, schulzweigbezogene Ansprechpersonen, Öffentlichkeitsarbeit (Elternzeitung, Rundschreiben, Presse) sowie sonstige Aktivitäten wie Schulbibliothek, Schulgarten und Elternsprechtage. Das federführende Vorstandsmitglied ist jeweils erste Ansprechperson und für Termine und Erledigung verantwortlich. Grundsätzliche Fragen werden im Vorstand gemeinsam entschieden.